Mit guten Vorsätzen ins neue Jahr

Nichtraucher werden, mehr Joggen gehen, Freundschaften mehr pflegen, Abnehmen – die Abteilung umstrukturieren, endlich die Zielvorgaben schaffen, ein neues Konzept umsetzen….

Jedes Silvester nehmen wir uns vor, was im nächsten Jahr anders werden soll, womit Schluss sein soll, was wir zukünftig ganz anders machen wollen. Doch wenige Tage später, wenn der Alltag uns einholt, fallen wir wieder in die alten Gewohnheiten. Warum schaffen manche Menschen es, Ihre Vorhaben umzusetzen, während andere bereits nach einigen Tagen oder Wochen enttäuscht die Segel streichen?

– von Susanne Hencke – dieser Beitrag erschien bereits unter diesem Titel in ähnlicher Form am 05.01.2015 auf dem Convensis Blog

Für das eigene Scheitern andere verantwortlich zu machen, ist leicht. Die Politik, der Chef, der Kollege, der Partner – ein „kompetenter Schuldiger“ findet sich immer, dessen Sagen und Handeln Dich von Deinen Vorhaben abhält. In Wahrheit stehen sich die meisten Menschen bei der Erreichung ihrer Ziele aber selbst im Weg. Ob Du ein Ziel tatsächlich erreicht ist von verschiedenen Faktoren abhängig.

Du hast an Silvester spontan entschlossen, das Rauchen im kommenden Jahr aufzuhören? Kein Problem. Viele wachen am nächsten Tag auf und handeln die sprichwörtliche Schnapsidee schnell als solche ab. Doch auch Vorsätze aus einer Laune heraus lassen sich umsetzen. Allerdings erfordert dies,ein wenig „Nacharbeit“, damit aus der Schnapsidee nicht ein flüchtiger Silvesterknaller wird.

Dann nämlich gilt, was auch lange ins Visier genommene Ziele betrifft: ein wenig Überlegung, eine gute Formulierung und Unterstützung helfen, das Ziel stolz zu erreichen.

Ausgangsposition klären

Wenn Du Dir ein Ziel setzt, ist es immer wichtig, zu klären, von wo aus Du startest. Dabei ist sowohl das „Ausgangsniveau“ wichtig, als auch Deine Vorgeschichte. Es kann entscheidend sein, ob Du nur eine kleine Stufe erklimmen musst, oder einen riesen Berg vor Dir siehst. Dann kann es nämlich hilfreich sein, Dir mehrere kleine Ziele zu setzen als ein großes, das Dich über kurz oder lang überfordern würde. Soll z. B. in Deinem Leben „Alles ganz anders werden“, macht es vielleicht Sinn, „Alles“ in die Teilbereiche Arbeit, Wohnen, Hobbys, Partnerschaft etc. aufzuteilen und eine Aufgabe nach der anderen zu bewältigen, statt Dein ganzes Leben umzukrempeln. Genauso wichtig ist es, ob Du Dir das Ziel schon einmal oder sogar mehrmals gesetzt hattest, ob Du schon einmal damit gescheitert bist oder erfolgreich warst. Das wirst Du spätestens dann merken, wenn der anfängliche Schwung nachlässt und Du Motivationshilfen brauchst.

Ziele setzen

Erfolgreich ein Ziel zu erreichen, beginnt aber eigentlich schon damit, dass man sich überhaupt Ziele setzen muss.

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Alice im Wunderland Quelle:pixabay

„Würdest Du mir bitte sagen, wie ich von hier aus weitergehen soll?“
„Das hängt zum größten Teil davon ab, wohin du möchtest“, sagte die Katze.
„Ach, wohin ist mir eigentlich gleich…“, sagte Alice.
„Dann ist es auch egal, wo du hingehst…“

Lewis Carroll  (Werk: Alice im Wunderland)

Der erste Schritt ist, sich überhaupt ein Ziel zu setzen. Der Psychologe Patrick Hill von der Carleton Universität fand in einer Studie heraus, dass Ziele zu haben, dem Leben eine wichtige Orientierung gibt. Zielstrebige Menschen sind zufriedener, achten mehr auf ihre Gesundheit und leben auch länger.

Wenn „Alles anders“ werden soll, heißt das noch nicht, dass Du die Richtung kennst. In diesem Fall wäre schlechter auch anders! Du musst also die Richtung genau vorgeben.

Um die großen Träume finden zu können, rollen manche Menschen ihr Leben von hinten auf und stellen sich vor, was sie als Großeltern ihren Enkeln über ihr Leben erzählen möchten. Was sie erreicht, geschafft und erlebt haben wollen.

Dabei kannst Du herausfinden, wie Du leben willst, z.B. mit oder ohne Kindern, in einem Haus im Grünen oder in einer Altbauwohnung in der Stadt, Du kannst erkennen, was Dir an Deiner Arbeitsumgebung wichtig ist, aber auch welche kleinen Wünsche auf dem Weg liegen. Das kann ein Urlaub in einem exotischen Land sein, das Erlernen einer Fremdsprache oder die Teilnahme an einem besonderen Event (z.B. einmal einen Marathon laufen).

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Konkret werden Quelle:pixabay

Vom vagen Wunsch zu einer Zielvorstellung

Wenn Du aus dem vagen Traum ein gutes Ziel formulieren willst, solltest Du dies immer positiv tun, entsprechend einer positiven Entwicklung, der Vermeidung einer negativer Entwicklung oder Bewahrung eines Zustandes. Wer kennt nicht das Gedankenspiel „Denke nicht an einen rosa Elefanten“ – der natürlich sofort vor dem inneren Auge auftaucht. „Nicht“ kann das Gehirn nicht direkt umsetzen. Außerdem ist noch nicht formuliert, wohin man möchte, wenn man weiß, wohin man nicht möchte. Oder weißt Du, was Du tun sollst, wenn ich Dir sage, Du sollst Dich nicht hinlegen?

Ein Ziel ist so eindeutig wie möglich zu definieren

Sinnesspezifisch formuliert

Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“

Antoine de Saint-Exupery (Werk: Die Stadt in der Wüste / Citadelle)

Ein Ziel erreichst Du am besten, indem Du die Leidenschaft in Dir weckst. Am besten, Du siehst das Ziel vor Deinem inneren Auge, kannst fühlen, wie es sich anfühlt, erfolgreich zu sein, kannst es riechen, schmecken oder hören.
Eine möglichst konkrete Vorstellung des Endzustandes, d.h. in einer ausführlichen Ausschmückung, wie „ein opulentes 7-Gänge Menü, mit einer frischen, kalten, minzigen Vorspeise, einem exotisch-würzigen Braten und einer leichten, fruchtigen Süßspeise zum Abschluss“ weckt die Sinne in Dir und damit die Antriebskraft. Allerdings sollte darin nicht bereits der Lösungsweg vorgegeben sein. Dies würde gewissermaßen sämtliche nötige Lösungsalternativen von vornherein ausschließen.

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Messbare Ziele setzen Quelle:pixabay

Mache es messbar

Formuliere das Ziel so, dass Du genau weißt, wann Du es erreicht hast. Um wie viel muss Dein Gehalt steigen, damit Du „mehr Geld“ bekommst? Wie viele Tage, Wochen oder Monate musst Du abstinent sein, damit Du weißt, dass Du „mit dem Rauchen aufgehört“ hast? Das Ergebnis sollte auch von anderen objektiv überprüfbar bzw. messbar. „Ich fühle mich wohler“, „es geht mir besser“ oder „alle sind zufrieden“ sind schwer zu prüfen und führen zu Frust oder Selbsttäuschung. Ein gut formuliertes Ziel hat ein messbares Ergebnis.

How to eat an Elephant? Bite by Bite

Mache es Dir leichter und teile Dein Ziel in verschiedene Unterziele auf. Damit hast Du öfter Erfolgserlebnisse, die Dich für die nächsten Schritte motivieren. Natürlich sollten auch die Unterziele jeweils für sich überprüfbar und abzuhandeln sein. Das Haus ist gebaut, wenn a) die Mauern gebaut sind, b) der Elektriker Leitungen gezogen und c) der Maler die Wände verputzt und tapeziert hat usw.

Die Unterziele geben immer wieder die Richtung des Handelns vor und dienen gleichzeitig als Kontrollinstrument und Meilenstein.

Ein Ziel erreichen durch eigene Rolle - Aktivität
Aktivität Quelle: pixabay

Sei aktiv

Ein Ziel kann nur durch eigenes Handeln erreicht werden.  Der Unterschied zwischen Wunsch und Ziel ist die Möglichkeit, das Ziel aktiv zu erarbeiten. Natürlich bleiben uns Wünsche erhalten, doch für eine erfolgreiche Zielverfolgung muss geprüft werden, dass Du die handelnde Person bleiben kannst. Ein Lottogewinn, der Olympiasieg, der Traummann/ die Traumfrau – alles Wünsche. Du kannst tun, was in Deiner Macht steht, um diesen Wunsch zu erreichen, z. B. Lotto spielen, oder hart trainieren, Dich hübsch machen und ausgehen. Doch ob sich der Wunsch erfüllt, das kannst Du nicht steuern. Für ein Ziel kannst Du dagegen selbst alles tun, was nötig ist.

Bleib realistisch

Hier stellt sich natürlich die Frage, wer entscheidet, ob ein Ziel realistisch wäre. Daimler wurde für verrückt erklärt, als er seinen Freunden erzählte, dass er ein motorbetriebenes Gefährt bauen wolle.

Erinnere Dich an eine Situation in Deinem Leben, in dem Du ein Ziel formuliert hast und einige Deiner Freunde Dich zu mehr Realismus ermahnt haben. Trotzdem hast Du dieses Ziel erreicht. Der entscheidende Punkt war wahrscheinlich, weil Du bereit warst, alle Dir zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, um es zu erreichen.  Realismus zeigt sich an Deiner Leidenschaft, an deiner Bereitschaft, alles in Deiner Macht stehende zu tun für den Erfolg.

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Leidenschaft Quelle:pixabay

Hier solltest Du Dich also kritisch und ehrlich fragen, wie weit Du bereit bist zu gehen, welche Tiefschläge drohen und wie Du planst, damit umzugehen? Bist Du wirklich bereit, die Kollegin auszubooten, den Chef zu belügen oder zu hintergehen, um auf die neue Position zu kommen? Kannst Du auf den Festtagsbraten verzichten, um abzunehmen und auf den Schwatz mit der Kollegin bei der Zigarette zwischendurch?

Dein Ziel muss nicht das Deines Gegenübers sein

Im nächsten Schritt soll man sich klarmachen, dass die eigenen Lebensziele nicht zwingend die von anderen sind. Klingt selbstverständlich, doch gestalten nicht wenige ihr Leben tatsächlich nach den Wünschen und Vorstellungen anderer. Es geht also darum sich auf die wirklich eigenen Stärken und Talente zu fokussieren, um so das individuelle Potenzial zu nutzen.

Auf der anderen Seite solltest Du auch abwägen, welche Auswirkungen Dein Ziel für Dein Umfeld haben könnte oder wird.

Ich erinnere mich an eine Kollegin, die Ihre erfolgreiche Diät kurz vor dem Ziel aufgab und relativ schnell zum Ursprungsgewicht zurückkehrte, weil ihr Ehemann ihre Veränderung mit großer Eifersucht begleitete…

Gib Deinem Ziel einen klaren Anfang und ein eindeutiges Ende

Ein englisches Sprichwort sagt: „Tomorrow never comes.“ Denn morgen ist morgen schon wieder einen Tag weiter. Morgen lässt sich wunderbar verschieben.

Ein gutes Ziel hat deshalb einen eindeutig terminierten Beginn, das Ende ist entweder klar messbar definiert (s.o.) oder liegt in einem vorher gesteckten Zeitrahmen. So formulierst Du den Beginn für Dein Gehirn eindeutig, ohne Ausweichmöglichkeit.

Fange daher nicht morgen an, keinen Alkohol mehr zu trinken, sondern heute. Gib Dir also einen Zeitraum, in dem Du täglich Joggen gehst, oder setze Dir einen Zeitpunkt, bis zu dem Du mit dem Chef ein klärendes Gespräch geführt hast.

Ist nun aus Deiner Silvesterschnapsidee ein echtes Ziel geworden? Lass es mich in den Kommentaren wissen, ob es funktioniert hat!

Und im nächsten Blog erfährst Du, welche Motivationshilfen Du wählen kannst, um nicht zwischendurch schlapp zu machen.

Zu Teil 2: Unterstützung zum Durchhalten

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