Internationaler Frauentag

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt“, heißt es im Artikel 3 des Grundgesetzes. Dennoch sind Frauen in vielen Bereichen nach wie vor benachteiligt. Am 8. März wird deshalb wieder weltweit der Frauentag oder auch „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ begangen. Das Motto des Frauentages 2017 lautet: “Women in the Changing World of Work: Planet 50-50 by 2030”/ „Frauen in einer sich wandelnden Arbeitswelt: die Hälfte der Welt bis 2030“.

Die Welt wird wieder sexistischer

US-Präsident Trump darf ungestraft sexistische Äußerungen in die Welt posaunen, der Präsident der Türkei möchte die Ehe für Mädchen ab 12 Jahren wieder erlauben. Und in Europa propagieren aufstrebende Rechtspopulisten ein konservatives Frauenbild. Die Frau wird wieder auf sexuelle Reize, ihre Rolle als Ehefrau und Mutter reduziert. .

Dabei waren wir doch schon einmal ein Stück weiter gekommen….

Geschichte des Frauentags

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begannen Frauen um ihr Wahlrecht und mehr Gleichberechtigung zu kämpfen. 1910 setzte sich Clara Zetkin auf der „Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz“ erstmals für die Einführung eines internationalen Frauentages ein. Am 19. März 1911 fand dann der erste Frauentag in Deutschland, Dänemark, Österreich-Ungarn sowie der Schweiz statt.

Bis 1933 fand der Frauentag in Deutschland jedes Jahr statt. An diesen Tagen forderten die Frauen z.B. niedrigere Lebensmittelpreise oder das Recht auf legale Schwangerschaftsabbrüche. Von den Nationalsozialisten wurde der Frauentag abgeschafft. In der DDR wurde er dann direkt nach dem Krieg am 8. März 1946 wieder eingeführt, in der BRD erst in den 60er Jahren. 1977 beschloss die UN-Generalversammlung den 8. März als internationalen Frauentag anzuerkennen.

Der internationale Frauentag heute

Die Frauenbewegung hat viel erreicht. Nie zuvor waren Frauen so sichtbar und vordergründig auch so erfolgreich wie heute. Das zeigt sich vor allem in der Wirtschaft und der Politik. Wir haben eine Bundeskanzlerin, sechs von vierzehn Ministerien in der Bundesregierung sind mit Ministerinnen besetzt. Bildungsabschlüsse und Erwerbsquoten der Frauen sind gestiegen, die Zahl weiblicher Führungskräfte hat sich ebenfalls leicht erhöht.
Doch das Bild trügt. Unter der Oberfläche treten alte Muster zutage: Frauen bekommen immer noch für vergleichbare Arbeit im Durchschnitt weniger Geld als Männer. Weiterhin übernehmen Frauen wie eh und je den Großteil der unbezahlten Haus-, Erziehungs- und Pflegearbeiten.

Das bekannteste Werbeplakat für den internationalen Frauentag
Quelle: http://www.politische-bildung.de

In vielen deutschen Städten wird deshalb auch heute noch am 8. März demonstriert und Gewerkschaften sowie autonome Frauengruppen halten Vorträge.

Sie nutzen den Tag, um auf Missstände in der ganzen Welt aufmerksam zu machen. 2003 rief die UNICEF zum Frauentag das Motto „Bessere Bildung für Mädchen“ aus. 2014 brachte der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, die hohe Rate der weiblichen HIV-Infizierten in Afrika zur Sprache.

Warum wir den Frauentag heute noch brauchen

Es ist normal für die meisten von uns, dass Frauen ebenso ihrem Beruf nachgehen wie Männer. Frauen sind mittlerweile in so gut wie allen Bereichen der Berufswelt tätig, auch dort, wo einst nur Männer arbeiteten. Frauen haben häufig bessere Hochschulabschlüsse als ihre männlichen Mitarbeiter, sind im Allgemeinen hoch motiviert und leisten in ihrem Job das Gleiche wie ihre männlichen Kollegen. Trotzdem verdienten sie aber selbst 2015 noch 21% weniger als diese.

Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen 1995-2915
Quelle: Statista, lizensiert für HRkreativ

Keine Frau möchte wie ein Mann SEIN, aber sie möchte, dass sie und ihre Arbeit den gleichen WERT haben.

Vereinbarkeit Familie: Für viele Frauen schwierig zu vereinbaren

Obwohl sich die Zielgruppen der Vereinbarkeit Familie und Beruf  auf Männer und Mitarbeiter in Pflegeverantwortung erweitert haben, bleiben Frauen weiterhin die  Hauptbelasteten im Spannungsfeld zwischen Familie und Beruf.

Meist machen sich besonders junge Frauen oft nicht mehr so viele Gedanken über das Thema Gleichberechtigung, sie gehen ganz selbstverständlich davon aus, sich mit ihrem Partner die zukünftige Familienarbeit gerecht zu teilen. Das ändert sich meist, wenn  ein Kind unterwegs ist. In den meisten Fällen ist es nämlich noch immer die Frau, die zumindest für eine gewisse Zeit aus dem Berufsleben ausscheidet. Männer gehen sehr häufig nur für ein bis zwei Monate in Elternzeit.

Dass meist die Frau zuhause bleibt, liegt übrigens auch daran, dass sie in der Regel weniger verdienen als ihre Männer. Der Hauptverdiener arbeitet mehr, um die Familie zu ernähren, die Frau geht in Teilzeit….. Und Führung in Teilzeit ist leider 2017 noch die Ausnahme in deutschen Unternehmen (vor allem in KMU).

Altersarmut trifft vor allem und zunehmend Frauen

Da Frauen während ihres Berufs­lebens häufiger zugunsten der Kinder pausieren oder nur Teilzeit arbeiten, erwerben sie durchschnittlich weniger Renten­ansprüche als Männer. In der Konsequenz sind Frauen im Rentenalter von einem höheren Armutsrisiko bedroht als Männer. 2015 galten in Deutschland 18 % der Frauen ab 65 Jahren als armuts­gefährdet.

Armutsgefährdungsquote deutscher Frauen 2015 bei 18,3%
Quelle: Stat. Bundesamt

Viele Frauenrechtlerinnen fordern deshalb, dass die Familienarbeit endlich als Erwerbsarbeit anerkannt und auch finanziell berücksichtigt werden müsse.

Frauenrechte weltweit

In Deutschland gibt es immer noch Probleme, die gesetzlich festgeschriebene Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau umzusetzen.
In anderen Ländern haben Frauen jedoch nicht einmal auf dem Papier die gleichen Rechte wie Männer.
Es gibt noch immer sehr viele Länder, in denen Frauen nicht wählen dürfen.

In anderen Ländern haben Männer und Frauen zwar laut Gesetz die gleichen Rechte, aber in den Köpfen der Menschen ist das noch lange nicht angekommen. Dort werden Mädchen und Frauen als minderwertig angesehen.
In einigen Länder Asiens werden deshalb ungeborene Kinder weiblichen Geschlechts immer wieder abgetrieben oder weibliche Säuglinge ausgesetzt.

Terres des Femmes tritt für Frauen und Mädchen und gegen Frühehen ein
Quelle: Terre des Femmes

Im Iran dürfen Mädchen ab 13 Jahren verheiratet werden. Der Ehemann darf über seine Frau verfügen. Möchte sich die Frau von ihrem Mann trennen, muss sie sich einem eingeschränkten Recht auf Scheidung stellen.
Wird einer Frau in Afghanistan Ehebruch vorgeworfen, kann sie dafür zum Tode verurteilt und gesteinigt werden – selbst nach Vergewaltigungen!
In vielen Ländern regelt ein Gesetz das Recht des Mannes auf Beischlaf.
In afrikanischen und asiatischen Ländern haben Frauen wenig Rechte. Gewalt und Verstümmelungen an Frauen sind dort weit verbreitet. Insgesamt sind weltweit etwa 150 Millionen Mädchen und Frauen im Genitalbereich beschnitten, jährlich fallen ungefähr weitere drei Millionen Mädchen dieser Praktik zum Opfer.

Terre des Femmes setzt sich gegen Genitalverstümmelung ein
Quelle: Terre des Femmes

Es gibt also weiterhin massenweise Gründe, für die Rechte der Frauen einzutreten!

Ein Zeichen setzen

Aus Protest gegen die zunehmende Frauenfeindlichkeit in der Öffentlichkeit (in den USA) haben zwei Amerikanerinnen den Pussy Hat erfunden. Sie wollten ein sichtbares und humorvolles Zeichen setzen. Inzwischen hat sich aus einer Demonstration für Frauenrechte eine neue weltweite Bewegung entwickelt.

Pussy Hats, seit Trumps Wahl zum US-Präsidenten zum Symbol für eine neue Frauenbewegung geworden
Quelle: Instagram „petiteweaver“

Eine Möglichkeit, sich am internationalen Frauentag ebenfalls ein Zeichen für die Gleichwertigkeit von Frauen zu setzen kann z.B. sein, einen Pussy Hat zu tragen. Ich werde es tun.

Wenn Du Dich auch an der weltweiten Aktion beteiligst, poste doch hier oder auf https://www.facebook.com/hrkreativ ein Foto von Dir.

 

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