Who Let the Dog Out – ein Bürohund zieht ein

Bürohunde tun dem Mitarbeiter gut.

„Kollege Hund ist voll im Trend“ titelte die Bild-Zeitung am 13.7.2017 auf der Stuttgart-Seite. Immer mehr Unternehmen lassen Hunde am Arbeitsplatz zu. Warum das so ist, habe ich bereits im letzten Blogbeitrag dargelegt. Was vor der Zulassung eines Bürohundes zu beachten ist, erfährst Du hier.

Eine Studie im Auftrag von XING hat 2014 ermittelt, dass über die Hälfte der Mitarbeiter nichts gegen Haustiere am Arbeitsplatz einzuwenden hat und ein Drittel findet, dass die Erlaubnis von Hunden am Arbeitsplatz den Arbeitgeber attraktiver macht.

Vorteil Bürohund

Für mich macht ein Bürohund den Arbeitgeber wirklich attraktiver. Und ich habe selbst erlebt, was wissenschaftliche Studien belegen: ein Hund trägt zum Wohlbefinden und zur Stressreduktion der Mitarbeiter bei.

Das scheint besonders an der Ausschüttung des Hormons Oxytocin beim Menschen zu liegen, wenn er einen Hund streichelt. Denn das Hormon mindert die überhöhte Produktion der Stresshormone Cortisol und Insulin bei Dauerstress.

Vor allem in der Prävention von Burn-Out-Syndromen scheint der Bürohund einen wichtigen Dienst zu leisten.

Bürohunde sorgen für die physische und psychische Gesundheit der Mitarbeiter

Für die Mitarbeiter sinkt also das Risiko für stressbedingte Erkrankungen, für den Hundehalter trägt der Bürohund zur Work-Life-Balance bei. In den Unternehmen verbessert sich das Betriebsklima, Zufriedenheit und Identifikation der Mitarbeiter steigen. Ein Bürohund könnte ein wichtiger Faktor im Employer Branding sein. Und der Hund gewinnt mehr Aufmerksamkeit und Bindung zu seiner Bezugsperson, weil er nicht mehr den ganzen Tag zu Hause alleine sein muss.

Eine echte Win-Win-Situation also? Und was ist mit den allergischen Mitarbeitern und denen, die vor Hunden Angst haben? Darf dann jeder sein Haustier mitbringen, Hund, Katze, Maus?

Quelle: Bundesverband Bürohund e.V.

Voraussetzungen für die Einführung eines Bürohundes

Bevor nun jedeR das eigene Haustier mitbringt, sollte ein KMU einige Vorbereitungen treffen und Rahmenbedingungen schaffen. Diese sind für jedes Unternehmen unterschiedlich, so dass ich hier lediglich die Aspekte ansprechen möchte, die ich wichtig finde, bevor Du Dich in Deinem KMU für einen Bürohund entscheidest.

Vorbereitende Fragen

  1. Nicht alle Kollegen werden Hurra schreien, wenn die Frage nach einem Bürohund gestellt wird. Viele sind grundsätzlich eher neutral eingestellt. Es mag aber auch gesundheitliche Bedenken geben oder schlechte Erfahrungen, die zur Ablehnung eines Bürohundes führen. Einige Mitarbeiter scheuen die Störungen durch ein Tier bei der Arbeit.
    Diese Bedenken müssen nach meiner Erfahrung auf jeden Fall erst genommen und ausführlich besprochen werden. Für einige Bedenken kann man Regelungen finden (s.u.), für andere könnte eine „Probephase“ verabredet werden, nach der noch einmal über eine grundsätzliche Zulassung entschieden wird.
  2. Von Beginn an sollte klar kommuniziert werden, welche Tiere ins Büro mitgebracht werden dürfen und in welchem Ausmaß. Gilt die Zulassung nur für Hunde, oder auch für andere Haustiere? Darf jeder Mitarbeiter sein Tier mitbringen und wenn ja, egal in welcher Größe? Für neue Mitarbeiter kann es sehr attraktiv sein, sich in einem Unternehmen zu bewerben, das Bürohunde zulässt. Die Enttäuschung kann dann groß und die Wirkung kontraproduktiv sein, wenn von Fall zu Fall entschieden wird, ob das Tier mitgenommen werden darf, oder nicht. Vielleicht legt man hier eine Quote fest. Möglicherweise werden die Mitarbeiter auch befragt, wie viele Tiere für sie erträglich sind. Auch kann die maximale Größe eines Tieres festgelegt werden.
  3. Nicht an jeden Arbeitsplatz kann ein Hund mitgenommen werden. Besonders in Büroräumen gelingt die Integration sehr gut. Vielleicht gibt es aber auch noch andere Arbeitsplätze, an denen die Haltung eines Tieres möglich ist.
  4. Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit der Hund mit ins Büro kommen darf? Es scheint selbstverständlich, dass der Bürohund gut erzogen und sozial verträglich sein sollte. Doch was genau bedeutet das? Hier helfen eindeutige Formulierungen, wie z.B. muss am Platz bleiben können, wenn Personen den Raum betreten, darf zur Begrüßung nicht an Menschen hochspringen etc.
    Möglicherweise kann das KMU auch verlangen, dass der Hundehalter eine Begleithundprüfung ablegt, bzw. einen Hundeführerschein erwirbt, der das „rücksichtsvolle Auftreten von Hund und Halter in der Öffentlichkeit“ abprüft.
    Ängstliche, leicht erregbare oder bellende Hunde sind übrigens nicht besonders geeignet als Bürohund.
  5. Festzulegen ist außerdem, wer für die Kosten am Arbeitsplatz (Hundekörbchen, Futter, Spielzeug etc.) aufkommt. Der Arbeitgeber kann sich anteilig an Futter etc. beteiligen, die Kosten komplett oder gar nicht übernehmen.

Allergiker

Gibt es Allergiker im KMU, müssen diese in jedem Fall geschützt werden. Je nach Schwere der Erkrankung, kann man dies z.B. dadurch erreichen, dass das Tier sich nur in bestimmten Zonen aufhalten darf, oder in bestimmten Zonen nicht. Hilfreich kann es auch sein, nur Kurzhaarrassen zuzulassen. Am besten stimmt man das Vorgehen mit dem Allergiker ab und findet so einen geeigneten Umgang mit der Erkrankung.

Räumlichkeiten

Natürlich braucht der Hund einen Platz, auf den er sich zurückziehen kann. Hilfreich ist dazu ein Körbchen oder eine Decke, die diesen festen Platz definieren.
Der Futterplatz sollte ebenfalls festgelegt und für den Bürohund frei zugänglich sein.
Hygienische Bedenken können durch Tabuzonen ausgeschlossen werden. Die Büroräume, die für den Hund gesperrt sind, sollten diesem von Beginn an deutlich gemacht werden.

Der Arbeitsplatz muss für den Aufenthalt des Hundes vorbereitet werden, vor allem muss er hundesicher gemacht werden (keine giftigen Pflanzen o.ä., keine losen Kabel…)

ein Bürohund sorgt für Entspannung und Stressreduktion

Klare Regeln für den Umgang

Die Zuständigkeit für den Hund verbleibt in der Regel immer beim Hundehalter. Er ist für Futter, Wasser, Gassigehen etc. grundsätzlich verantwortlich. Auch die Reinigung des Hunde- und Futterplatzes obliegt dem Hundehalter.
Natürlich können die Aufgaben auch delegiert werden. Vor allem das Gassigehen ist bei den Kollegen in der Regel sehr beliebt, um an die frische Luft zu kommen.
Dafür sind den Mitarbeitern die grundsätzlichen Kommandos und Eigenheiten des Hundes nahezulegen, sodass jeder grundsätzlich mit ihm zurechtkommen kann.

Es ist günstig, bereits im Vorfeld festzulegen, wie das Vorgehen bei einer möglichen Krankheit des Hundes sein wird und wenn der Hundehalter in einem Kundengespräch oder auf Dienstreise ist.

Rechtliches

  • Empfehlenswert ist eine schriftliche Vereinbarung über die Mitnahme eine Hundes an den Arbeitsplatz. Sie regelt alle Voraussetzungen und nennt die Faktoren, nach denen die Erlaubnis für den Bürohund zurückgenommen werden kann. Damit ist Dein KMU rechtlich und organisatorisch abgesichert. Der Bundesverband Bürohund e.V. kann Dir helfen, einen solchen Vertrag zu entwerfen.
  • Mit dem Vermieter ist abzuklären, ob Hunde in die Räumlichkeiten mitgebracht werden dürfen, wenn es im Mietvertrag nicht geregelt wurde.
  • Für Schäden durch den Bürohund kommt in der Regel der Hundehalter auf, da er sowieso eine Haftpflichtversicherung für den Hund abschließen muss.
  • Verletzungen, die der Bürohund Mitarbeitern oder Kunden während der Arbeit zufügt, sind vermutlich über die gesetzliche Unfallversicherung oder die Haftpflichtversicherung abgedeckt. Dies ist aber für Dein Unternehmen noch einmal extra zu klären.

Who let the Dog out – Ein Bürohund zieht ein

Zunächst sollten alle Mitarbeiter über ihre grundsätzliche Einstellung bezüglich Bürohunden befragt werden. Leichter fällt das den Mitarbeitern, wenn die Befragung anonym erfolgt, z.B. über eine kurze Online-Befragung.

Um die vorbereitenden Fragen zu klären, bietet sich ein Team-Workshop an. Daran sollten Vertreter der Geschäftsführung, der Personalabteilung, des Betriebsrats, des betrieblichen Gesundheitsteams sowie Mitglieder aus den unterschiedlichen Abteilungen teilnehmen.
In einer Präsentation können die Vorteile eines Bürohundes dargelegt werden, so dass alle auf dem gleichen Wissensstand rund um das Thema sind.
Im Anschluss können die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung, grundlegenden Fragen und Voraussetzungen diskutiert und geklärt werden.
Sind die Rahmenbedingungen geregelt, kann das Projekt „Bürohund“ aufgesetzt und an die Mitarbeiter kommuniziert werden.

In einer kleinen Kick-Off-Veranstaltung werden die Mitarbeiter informiert und der Zeitpunkt, ab dem der Bürohund mitgebracht werden darf, festgelegt. Die rämlichen und organisatorischen Vorbereitungen werden getroffen und das neue Teammitglied wird gebührend begrüßt.

Neue Mitarbeiter

Potentielle neue Mitarbeiter können sich auf Homepage und den sozialen Kanälen des Unternehmens über die Möglichkeit für einen Bürohund informieren. Auch bei kununu kann bei den Benefits die Option angeklickt werden.
Für neue Mitarbeiter wird der Umgang mit Tieren im Büro beispielsweise durch eine Broschüre kommuniziert werden. Die Vorteile eines Bürohundes und die Regeln, die das KMU inzwischen erarbeitet hat, sind Bestandteil der Information.

Weitere Informationen und Unterstützung für die Einführung eines Bürohundes bietet der Bundensverband Bürohund e.V.

Für mich ist der Bürohund ein Bestandteil des betrieblichen Gesundheitsmanagements und trägt zur Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit bei. Für Dich auch? Diskutiere mit mir oder hilf mir, noch mehr Aspekte zum Bürohund zu sammeln, entweder hier im Kommentar oder schreib mir unter susanne.hencke@hrkreativ.com

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