Handyfasten überleben als Selbständige

„Oh Gott, ich habe mein Handy verlegt“. Dachte ich erst. Nach 3 Tagen kamen mir Zweifel, nach 8 Tagen hatte ich ein neues. 8 Tage ohne Handy – oh je, wie viele Anfragen und Aufträge sind mir dadurch durch die Lappen gegangen, welche Partner konnten mich nicht erreichen?!?!? Trotz aller Sorgen habe ich die 8 Tage überlebt.

8 Tage ohne Handy ist eine ganz schöne Herausforderung. Am ersten Tag habe ich natürlich noch 10x mich selbst angerufen und jeden Winkel durchsucht, in der Hoffnung, es doch schnell zu finden. Nebenbei meinen Mann meckern lassen, dass ich die Suchfunktion ausgeschaltet hätte. Ja, hab ich. Dachte, das wäre unnötig. Ich habe noch nie mein Telefon verlegt oder verloren.

the-clouds-1768967__340

Tag 2 wurde ich schon ein wenig panisch. Ohje, mich erreicht ja niemand! Immernoch durchstöbere ich zum x-ten Mal alle Ecken, Ablagen, Manteltaschen – selbst Kisten, die ich schon über ein Jahr auf dem Schrank stehen habe. Könnte ja sein, dass ich unbedacht…..
Freundinnen habe ich angerufen und Mails geschrieben, dass ich nicht erreichbar bin. Doch was ist mit meinen Geschäftspartnern, Kunden und Interessenten?!?

Tag 3 relaxe ich in die Situation. Zwar hebe ich ab und zu noch einen Pullover an, aber die Enttäuschung, dass es nirgends zu finden wird, wird kleiner. Wird schon wieder auftauchen. Ich habe noch nie mein Handy verloren!! Ich kann ja eh nix ändern, also lasse ich langsam los. In der Gesprächstherapie gibt es ein Sprichwort: „Was wichtig ist, kommt wieder.“ Also vertraue ich darauf, dass ich das Telefon jetzt bald wieder finde und kann ja dann alle, die sich in der Zwischenzeit gemeldet haben, zurückrufen.

Resilienz: Du kannst die Wellen nicht aufhalten, aber Du kannst lernen, sie zu reiten.Tag 4 kommen mir langsam Zweifel, ob ich es wirklich nur verlegt habe. Mein innerliches Zusammenzucken, immer wenn ich irgendwo warten muss und mein Handy nicht zücken kann, um die Zeit zu überbrücken, wird seltener.
EIgentlich finde ich es mal ganz entspannt, unterwegs zu sein und nicht jederzeit erreichbar. Meine Kinder können mich nicht „zurückrufen“, ich kann ganz in Ruhe einkaufen gehen, ich klemme nicht an der Kasse das Telefon noch zwischen Ohr und Schulter um „nebenbei“ das Telefonat mit der Kunden zuende zu führen. Jetzt fällt mir wieder auf, wie unverschämt das eigentlich gegenüber beiden – Kassiererin und Kundin ist.
Wer mich bisher erfolglos versucht hatte, zu erreichen, schreibt mir inzwischen eine E-Mail.

Tag 5 bin ich sicher, das Handy so bald nicht wieder zu finden. Ich gehe in den Laden um ein neues zu bestellen und nehme (erleichtert) zur Kenntnis, dass ich es nicht gleich mitnehmen kann, sondern noch 2 Werktage warten muss (heute ist Samstag). Mich nerven alle um mich, die ständig auf ihr Smartphone glotzen, dauernd irgendeine Nachrichten-App checken und permanent telefonieren. Geht auch ohne!

Tag 6 genieße ich die sonntägliche Ruhe ohne endlose Whats-App-Chats mit allen Freunden, die endlich Zeit haben, all ihre Spaßfotos und -videos zu versenden und sich darüber ausgiebig auszutauschen. Ich nehme mir fest vor, das auch zu unterlassen, wenn ich wieder erreichbar bin. Jetzt bemerke ich diese katastrophale Zeitverschwendung erst richtig.

Tag 7 bin ich total enspannt und freue mich trotzdem, dass morgen wieder alles beim alten ist.

Tag 8 freue ich mich wie ein kleines Kind über mein Päckchen mit meinem neuen Schätzchen. Schnell eingerichtet und die 278 Whatsapp-Nachrichten checken, die ich in der Zwischenzeit verpasst habe. Schnell sind alle Kontakte gegen gecheckt, die wichtigsten Nachrichten gelesen und beantwortet und der Status Quo wieder hergestellt.

Kleiner Nachtrag: an Tag 10 fahre ich in die bayrischen Alpen, wo ich für 10 Tage keinen Empfang und kein W-LAN habe. Ein Alptraum! Naja, auch das habe ich überlebt…

 

 

Kommentar verfassen